Interview mit Detlef Lemke

Detlef Lemke, VdK-Kreisverbandsvorsitzender Schwäbisch Gmünd, Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande im Interview:

Was sind die Ziele des VdK?

Der VdK setzt sich mit aller Kraft für eine menschliche Gesellschaft ein, die Teilhabe für alle bedeutet und in der sozial benachteiligte, behinderte und chronisch kranke Menschen nicht ausgegrenzt werden. Unser Ziel ist es, das Verantwortungsgefühl der jüngeren Generation für die Älteren und Schwächeren aufzubauen.

Was bedeutet die Abkürzung VdK?

Gegründet wurde der Sozialverband VdK Deutschland im Jahr 1950 unter dem Namen Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der VdK zum großen, modernen Sozialverband entwickelt, der für soziale Gerechtigkeit und Gleichstellung kämpft und sich gegen Sozialabbau stark macht. Die einprägsamen Buchstaben VdK sind geblieben.

Während Gewerkschaften oder Kirchen über Mitgliederschwund klagen, sind die Mitgliederzahlen in den 13 Landesverbänden von 2019 auf 2020 um 50°000 gestiegen. Allein in Baden-Württemberg hat der VdK 245°795 Mitglieder – in Zeiten von Corona ist der Sozialverband wichtiger denn je.

Für wen ist der VdK eine wichtige Anlaufstelle?

Für Menschen, Kinder oder Erwachsene, behinderte oder nicht behinderte Menschen, die sich im sozialen Dschungel nicht zurechtfinden. Als größter Sozialverband Deutschlands bietet der VdK mehr als 2,1 Millionen Mitgliedern sozialrechtliche Beratung und vertritt die sozialpolitischen Interessen all derer, die sonst nicht gehört werden. Wir vertreten unsere Mitglieder in allen Rentenfragen sowie auf den Gebieten Kranken- und Pflegeversicherung, Rehabilitation, Behinderten- und Sozialhilferecht sowie Unfall- und Entschädigungsrecht. Selbst vor Behörden und Gerichten setzt sich die Organisation intensiv für die Belange ihrer Mitglieder ein.

Für Menschen, Kinder oder Erwachsene, Behinderte oder nicht behinderte Menschen, die sich im sozialen Dschungel nicht zurechtfinden.

Wie wichtig ist neben der Beratung die Betreuung der Mitglieder?

In den VdK-Geschäftsstellen bekommen unsere Mitglieder kompetente sozialrechtliche Beratung bis hin zur gesamten Prozessvertretung. Der VdK widmet sich aber auch intensiv der Betreuung seiner Mitglieder und bietet allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern im Rahmen eines vielfältigen Serviceangebotes nicht nur Rat und Hilfe bei der Durchsetzung von sozialrechtlichen Ansprüchen an, sondern auch aktuelle und gesellschaftliche Veranstaltungen.

Wie wichtig sind Netzwerke für Ihre Arbeit?

Eine Brücke in alle Richtungen bauen, war von Anfang an meine Devise. Die wichtigsten Netzwerke bestehen aus guten Kontakten zwischen Menschen und zwischen Institutionen. Je mehr wir auf „gute Kontakte" zurückgreifen können, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man für ein Anliegen den richtigen Ansprechpartner findet und schnell Hilfe erhält.

Für den Sozialverband VdK als größte Anlaufstelle für sozial-benachteiligte Menschen ist die gute Vernetzung vor Ort das A und O. Um schnell und gezielt Hilfe und Unterstützung in nahezu allen Lebenslagen anbieten zu können, ist es sowohl für den Kreis-, aber auch für die Ortsverbände von großer Bedeutung, vor Ort mit allen wichtigen Institutionen in regem Kontakt zu stehen und erfolgreich zusammenzuarbeiten.

Für den Sozialverband VdK als größte Anlaufstelle für sozial-benachteiligte Menschen ist die gute Vernetzung vor Ort das A und O.

Können Sie hierfür ein Beispiel nennen?

Die Zusammenarbeit mit der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg, Regionalzentrum Aalen, kann mittlerweile als vorbildlich für ganz Baden-Württemberg bezeichnet werden. Wolfram Reif, der Leiter des Regionalzentrums, und ich pflegen einen offenen und transparenten Umgang, tauschen uns rege aus und informieren einander.

Die Aufgaben überschneiden sich in vielen Punkten, ob es um die Interessen der Menschen mit Behinderung geht, um Leistungsgeminderte, „Grundrentner“ oder Altersrentenempfänger – beide Institutionen haben es sich auf die „Fahnen“ geschrieben, ihren Kunden zu ihrem Recht zu verhelfen.

Sie sind in vielen weiteren Bereichen aktiv. Was bedeutet das für Ihre Arbeit im VdK?

Aufgrund meiner Tätigkeit als langjähriger ehrenamtlicher Richter am Landessozialgericht Stuttgart habe ich mir auch unter anerkannten Chefärzten, wie z.B. Prof. Dr. Gerhard Hesse (Tinnitus-Forscher) von der Tinnitus-Klinik Bad Arolsen, Fachärzten sowie Hausärzten ein sehr großes und starkes Netz aufgebaut; meine ehrenamtliche Tätigkeit als VdK-Kreisverbandsvorsitzender hat mir dabei viele Türen geöffnet. Ich stehe mit allen Leitungen von Rehakliniken und Pflegeeinrichtungen in ganz Deutschland in Kontakt und erhalte dadurch wertvolle Informationen und kann diese fallbezogen in meine Tätigkeit aufnehmen.

Detlef Lemke

Was motiviert Sie für Ihr großes Engagement?

Mit Menschen aus anderen sozialen Gruppen zusammenzukommen, weitet den Blick. Man wird mit Situationen und Konflikten konfrontiert, die einen als Person wachsen lassen und auch das eigene Selbstbewusstsein stärken. Dieser Blick über den Tellerrand ist wichtig. Einer starken Gemeinschaft anzugehören, gibt einem das Gefühl, dass man gemeinsam etwas bewegen kann. Es macht mich einfach zufrieden und froh, wenn ich anderen Menschen helfen kann.
Aufgrund meiner 25-jährigen Erfahrung weiß ich, wo der Schuh drückt. Dass ich für diesen Einsatz 2013 das Bundesverdienstkreuz verliehen bekam, ist eine schöne Anerkennung meines Engagements.

Das Selbstverständnis des VdK wandelte sich mit der Zeit. Wo steht der Sozialverband Ihrer Einschätzung nach in zehn Jahren?
Wegen der Corona-Pandemie werden die Arbeitslosigkeit und auch die Altersarmut zunehmen. Außerdem wird uns die Überalterung der Gesellschaft vor immer größere Herausforderungen stellen, z.B. wird in Zukunft noch mehr barrierefreier Wohnraum benötigt; auch die ärztliche Versorgung auf dem Land wird eher schwieriger, ein weiteres Problem ist der Mangel an Pflegefachkräften. Deswegen muss sich der VdK in den nächsten zehn Jahren noch stärker für die Belange aller Mitglieder einsetzen, damit sie auch in Zukunft gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.

Zum Jubiläum erscheint die Homepage des VdK Kreisverbands in neuem Gewand. Was hat sich verändert?
Nach fünf Jahren war es Zeit für einen neuen, frischeren Auftritt. Mit neuem Bildmaterial wirkt nun alles lebendiger und ansprechender. Die Digitalisierung schreitet voran – immer mehr Menschen informieren sich erst mal auf der Homepage www.vdk-gd.de/, bevor sie Kontakt aufnahmen. Mit der neuen Homepage sind wir weiterhin eng mit dem Landesverband vernetzt, so dass alle wichtigen Inhalte schnell abrufbar und gut aufbereitet sind, außerdem sind natürlich alle Ortsverbände abrufbar. Die Zukunft unseres Kreisverbands zusammen mit meinen Ortsverbänden zu sichern ist mein Ziel – analog und digital!

Herr Lemke, vielen Dank für das Interview!